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In den Startlöchern

Gestern..

…saß ich während meines ausgiebigen Spaziergangs mit Emil für einen längeren Moment genau hier:  Herbert`s Eck Von dort aus läßt es sich herrlch über die ausgeräumte Kulturlandschaft der Weser schauen. Es war trocken, der Himmel eine große Palette an Grautönen, hier und da durchbrochen von ein paar Wolkenlücken.  Magie der Stille. Und dann hörte ich sie: Erst leise, noch leicht mit dem Rauschen des Waldes zu verwechseln, doch dann immer deutlicher, kein Zweifel zulassend: Wildgänse! Was für ein schöner Augenblick. In ihm sammelten sich all die Gedanken und Gefühle, die sich bereits zuvor beim Marsch durch den Wald einstellen wollten: Der Frühling kommt. Und jedes Jahr aufs Neue, ist es ein großes, schönes Gefühl. Ein Augenblick voller Dankbarkeit wieder einen Frühling erleben zu können.

Und wie ich dort so saß, überlegte ich, wie gut wir es doch haben: WIr haben ein Dach über dem Kopf, wir sorgen uns nicht um die täglichen Mahlzeiten, Durst müssen wir nicht leiden. Wir leben in Sicherheit. – Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Menschen auf der Welt, die sich deshalb aufgemacht haben, ihren Teil an Sicherheit, Wärme und Mahlzeiten bei uns zu suchen.

Und ich überlegte weiter, was für ein reiches Land wir sind und wie arm die Menschen, die aus Sorge um … (ja um was denn bitte schön eigentlich?), nur noch Hass säen können und offensichtlich keinen Maßstab für Glück haben.  Und der Restkatholik (wunderschöne Beschreibung dieses Zustands von Wolfgang Niedecken, die ich mir mal zu eigen mache) in mir, erinnerte sich an einen der Grundsätze: „Geben ist seliger, denn nehmen“ und fragte sich, ob es dieses christliche Leitbild ist, was die deutschen Hassprediger glauben verteidigen zu müssen.

Wohl eher nicht. Ihnen geht es ja eher um das „Nicht-Hergeben“ – Von allem.

Gerne möchte ich diesen Menschen ans Herz legen, mal wieder zu einem guten Buch zu greifen. Dieses hier zum Beispiel: „Sterben“ von Karl Ove Knausgard – Ja, es ist lang und ja, es ist auch in Teilen langatmig. Aber es ist auch spannend, zum Teil witzig, zum Teil traurig.  Aber immer von einer wunder- und kraftvollen Sprache. Mich zieht es (ja, ja, es ist lange auf dem Markt) gerade jetzt in seinen Bann. – Es ist so wohltuend lang in einer Welt, die oft nur noch aus Überschriften und Kurznachrichten zu bestehen scheint.

Leute: Lest! möchte ich schreien, lest mal wieder lange Sätze. So richtig mit Subjekt, Prädikat und Objekt. Lest mal wieder eine Zeitung, oder besser noch: ein Buch!  Aber ich bleibe stumm. Es hört eh keiner zu.

Aber Euch möchte ich jetzt sagen: Genießt diese Woche. Der Fühling steht schon in den Startlöchern und mit ihm kehrt die Wärme zurück. Ach ja, und schaut mal wieder in ein Buch von Janosch. Er wird am 11.03. 85 Jahre alt. Tztz, Kinder, wie die Zeit vergeht.

 Land-

Land--2

4 Comments

  1. Hallo Werner,

    schöne Gedanken, besonders dem Schrei nach Lesen kann ich nur beipflichten.
    Lesen, richtiges Lesen, in einem Buch ist so eine Sache, sie benötigt Konzentration und Zeit und gibt so viel: innere Ruhe, langfristige Befriedigung des Geistes und der Gedanken.
    Das Lesen wird aber für immer mehr Menschen schwieriger und schwieriger, denn die kurzen knappen Überschriften und lustigen Zeit-fressenden-soziale-Medien-Berichtlein sind so schnell greifbar und so überfliegbar. Das scheint oftmals der leichtere Zugang als zu einem Buch, ist aber auch meist nur so gut wie ein Fast-Food-Menü.

    Deshalb schrei ich mit: Lest mehr, holt eure Bücher und versinkt darin!

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Ja, Jürgen, so sehe ich das auch. – Lesen braucht Zeit und Muße. Wer hat sie noch, und wer nimmt sie sich?
      Lg,
      Werner

  2. Wunderschön passende Bilder zu diesen Gedanken! Wenn ich auf das Foto von Emil schaue, meine ich den frühlingsmilden Wind auf der Haut zu spüren. Auch die anderen Fotos unterstreichen diesen Eindruck.

    Solche Gedanken machst zum Glück nicht nur du dir. Ich vermute, dass salonfähig wird, was lange Zeit verpöhnt aber doch latent vorhanden war: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus kommt auch aus der Mitte der Gesellschaft. Mir ist unwohl dabei und ich sorge mich. Noch gehen genügend Leute wählen um das Schlimmste zu verhindern, aber was wird sein, wenn davon immer mehr irgendwann nicht mehr da sind. Leute, die keine politische Meinung haben, nicht mal den Namen der Regierungsparteien kennen, gehen nicht wählen. Und vor dem Moment graut es mir.

    Ja, lesen ist eine gute Empfehlung. Ich würde sie erweitern: Beschäftigt euch mal wieder 2 Stunden am Stück mit einer Sache intensiv. Lesen, zeichnen, spazieren gehen, gärtnern, fotografieren (ohne an Facebook zu denken 😉 ), was auch immer, ohne euch von anderen Dingen, insbesondere von den sog. modernen Medien ablenken zu lassen. Diese Fähigkeit geht nämlich verloren und sie tut gut. Es gibt keine Online-Pflicht, keine für Veröffentlichung, keine dafür immer up-to-date zu sein. Versinkt in eurem Tun.

    Übrigens tauche ich gerade gern in die Hörbücher von Haruki Murakami ab.

    LG, Conny

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Danke, Conny für diesen wunderschönen Kommentar. Er bewegt mich.
      Und Haruku Murakami…. habe ich zwar nicht gehört, aber so ziemlich alles von ihm gelesen (lange Bücher 🙂 )- Ein großartiger Autor!
      Lg,
      Werner

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