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Spaß beiseite

Wir Deutschen und…

… unser Humor. Nein, wir gehen nicht immer Hand in Hand miteinander durch das Leben und durch den Alltag. Denn im Grunde unseres Herzens, sind wir doch eher ernsthafte Wesen, geprägt von der deutschen Romantik, mit ihrer melancholischen  Sehnsucht und der Weimarer Klassik: Ja, Shakespeare als Komödie,das geht (und wird auch gemacht!). Aber der „Faust“? Oder „Marie Stuart“? Oder gar „Iphigenie auf Tauris“? Schwer vorstellbar über unsere Klassiker im Theater zu lachen. Das verbietet schon der Respekt vor unseren Aufklärern, oder? Und wer es tut, wird wahrscheinlich mit vollem Ernst aus dem Theater entfernt.

In der Musik unterscheiden wir zwischen E- und U-Musik, also zwischen Ernst und Unterhaltung. Wir sind schon ein komisches Volk. Und wenn etwas ernst genannt wird,  verbietet sich ein humoreskes Treiben per se. Ach, uns überhaupt: die Künste! …,, Was hurmorvoll ist, bekommt selten die Marke „Kunst“ aufgedrückt. Kunst ist bereits aus ihrem Selbstverständnis heraus ernst. Und will (zu) oft auch ernst genommen werden.

Wo bleibt da die Leichtigkeit?

Doch nicht nur die Kunst ist weitgehend vom Spaß befreit: Ernsthaftigkeit ist wie  Klebstoff, der in viele Lebensbereiche dringt. Beispiele gefällig? Dann werfe man doch einen kleinen Blick auf unsere „Grillkultur“ in den Sommermonaten: Wir betreiben sie mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie die Forschung in der Quantenphysik: Angefangen bei der Literatur bis hin zu den Barbequeautomaten: Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Oder überhaupt: Man schaue sich unsere Esskultur im allgemeinen an: Veganer, Frutarier, Vegetarier, Fleischliebhaber… Alles im Ernst und überhaupt…. Nur zwei Beispiele von vielen in unserem Alltag.

Die Fotografie macht keine Ausnahme: Wer ernst genommen werden möchte (und wer möchte das nicht), muss Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Das beginnt bei den Sujets und den Regeln, meint die Ausrüstung, das Motiv, die Posbearbeitung und letztlich das auch noch „bei- Iso-schlag-mich-tot“ knackscharfe Foto bis hinein in den letzten Pixelkrümel. – „Nur so“ Fotografieren? (gemeint ist kreativ und intuitiv). Ach herrje, der liebe Gott möge mich davor bewahren: Ich laufe Gefahr, nicht Ernst genommen zu werden, wenn sich im Ergebnis „Unreinheiten“ zeigen.

Also, Spaß beiseite. Ganz im Ernst.

 

 

 

5 Kommentare

  1. tolle bilder. und ich weigere mich strikt gegen die perfektionierte ernsthaftigkeit und den ernsthaften perfektionismus.

  2. Spass muß sein, es ist ein Ventil um die innere Anspannung zu lösen. Wer das nicht zulässt, lebt ungesund 😉 Ich habe keine Ahnung warum es bei uns oft so verkniffen zugeht, vielleicht sollte man sich selber nicht so ernst nehmen. Das hilft 😉
    LG kiki

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und über sich selbst zu lachen, ist eine große Kunst, die leider nur wenige beherrschen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung 🙂
      Lg,
      Werner

  3. Die Bilder sind klasse, besonders das erste ist eine gute Einleitung in deinen Artikel. Die Kinder wirken so fröhlich und unbeschwert, da können wir Erwachsenen uns (eigentlich) eine Scheibe von Abschneiden. Wir haben gelernt, ein „gesundes“ Mittelmaß nach außen zu transportieren. Haben gelernt, wie man sich „erwachsen“ verhält. Keine Juchzen über den ersten Regentropfen, weil wir unser selbst gebautes Boot endlich auf große Fahrt schicken wollen. Keine dicken Tränen, weil uns etwas verwehrt bleibt. Immer alles schön gleichmäßig und bitte ernst, es denn, man bekommt die Lizenz zum Lachen. Auch dafür gibt es Regeln. Man darf nicht überall und schon gar nicht zu jeder Zeit. Und dann aber soll man/muss man/hat zu Lachen und wehe nicht. Erwartungen, Regeln, Verhaltensgebote überall, so oder so.

    Letztens beobachtete ich ein Mädchen dabei, wie sie aus der Bewegung heraus still stand, komische Bewegungen mit dem Arm machte, sich die Finger vor den Mund hielt: „Pssst“ und fast schon übertrieben weiter schlich. Ich war irritiert, weil es wirklich merkwürdig aussah, ansonsten beachtete sie niemand. Ich versuchte zu erforschen, was sie da macht. Des Rätsels Lösung: Sie hatte einige große Schritte von sich entfernt einen Vogel entdeckt und wünschte nun, dass alle ganz leise gehen, um ihn nicht zu erschrecken. Sie schritt also schleichend an der Hand ihres Vaters weiter. Dann erst bemerkte dieser, dass irgendetwas merkwürdig war. Er fragte sie, warum sie sich so komisch benehmen würde. „Da der Vogel…..“ Er drehte sich um:“Ach, der ist doch schon lange weg.“ Er ging weiter. Das Mädchen drehte sich um, der Vogel war weg. Sie lief fröhlich weiter.

    Kinder können das, es interessiert sie meist nicht die Bohne, wie andere ihre Handlungen bewerten. Sie leben im Augenblick. Wir haben vor allem Ersteres verlernt. Wir sind es gewohnt, dass man alles bewertet. Wir hüpfen deshalb auch im Sommer nicht durch die Wasserstrahlen. Bewertung macht Leichtigkeit fast unmöglich, die sowieso schwer zu fühlen ist. Vielleicht liegt das an den vielen Päckchen, die sich nach und nach auf unseren Schultern stapeln, das nimmt dem Leben oft die Leichtigkeit. Es hüpft sich schwer damit. Aber ab und ab gelingt es, sie für einen Moment zu ignorieren oder abzuschütteln und die Leichtigkeit ist da. Das sind oft sehr iintensive Momente des Glücks, mit denen man gern allein ist, warum? Weil sie so kostbar sind. 🙂

    LG, Conny

    P. S. Das zweite Bild ist übrigens genauso toll! 🙂

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Danke, Conny! – Ja die Leichtigkeit des Seins. Sie bewegt mich gerade sehr. 🙂 Und deine Gedanken dazu unterstützen das noch. Danke!
      Lg,
      Werner

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