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Vom Warten auf einen Anfang

„Gerade das aber sind die komplizierten Funktionen des Wartens. Der eine wartet auf den anderen, weil der eine meint, der andere müsse zuerst kommen. Der andere will aber nicht zuerst kommen, auch er will warten, und nicht selten geht darüber ein Leben dahin“

Weil es so schön ist, hier ausgeliehen:  Stepanini

Und noch eines muss gesagt werden, weil mir danach ist:

Jedermann erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.Max Frisch 

All diese Gedanken spielten mit mir in meinem Kopf, als das Foto dieses Beitrags am letzten Samstag in Berlin am Rummelsburger Ufer entstand. Auf wen oder was wartete diese junge Frau? Sie stand lange dort am Ufer in der untergehenden Sonne eines wunderschönen Tages, schaute immer wieder auf ihr Handgelenk, prüfte die Uhrzeit , griff zum Handy, um nach Nachrichten zu schauen. Schließlich verließ sie ihren Platz und schlenderte weiter, ohne dass etwas geschehen war. Gerne hätte ich ihre Geschichte gehört.

Nur wenige Kilometer entfernt war  etwas Großes zu diesem Zeitpunkt im Gang. Etwas, was mich selbst ungeduldig warten ließ. Ich war gleichzeitig nervös und gespannt, eigenartig fokussiert und doch mäanderten meine Gedanken von einem Thema zum anderen, unfähig mich wirklich auf etwas einzulassen. Zu groß war die Anspannung. Kaum ein Denken an Fotografieren möglich. So ist das wohl, wenn etwas ganz Neues beginnt. Das Gefühl ist lange her. Nahezu eine Ewigkeit. Aber nicht ganz vergessen. Diese Erinnerung klettert in mir hoch, es beginnt zu kribbeln und ich fange an mich zu freuen. Wunderschön.

 

12 Comments

  1. Danke für deine Gedanken, lieber Werner.

    Danke auch für den Link zu Stepanini.
    Ihr Blog ist sehr inspirierend, macht mich nachdenklich, wird mich noch lange Zeit fesseln

    • Witzig, habe gerade auch eine Serie über das Warten fertig bekommen. – Klasse Gedanken die du hier äußerst. Klasse auch deshalb, weil sie für mich ‚wahr‘ sind und sie einem bekannt vorkommen. Es ist schon echt interessant wartende Menschen zu beobachten. Zuerst wirken sie sehr ähnlich. Trotzdem scheint es einem so, als ob der jeweils eigene Charakter beim Wartenden durchschimmert. Verschwendet man die Zeit? Nutzt man sie durch praktische Überlegungen? Nutzt und geniesst man sie durch emotionale Einflüsse? Interessant ist auch zu sehen, wie Menschen warten, wenn sie alle dem gleichen Prozess unterzogen sind. Im Flugzeug zum Beispiel. Menschen lesen, quatschen, schauen aus dem Fenster, tun nix oder geniessen einfach Vorfreude. Ich kann z.B. im Flieger nicht arbeiten. Auch wenn ich müsste. Trotzdem ist es oft eine sehr kreative Zeit in der ich mir zumindest einige Stichpunkte mache, weil ich auf einmal sehr viele Ideen habe. Tolles Thema, echt!
      LG, Markus

      • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

        Ja das Warten… Immer wieder sehr spannend. Ich habe vor Jahren (damals noch auf meinem alten Blog) eine Serie über „Warteräume zum Glück“ gemacht. DIese beschäftigte sich vor allem mit den Orten an denen gewartet wird. Ein großes Thema…
        Lg,
        Werner

  2. So schön wie sich Worte und Bild ergänzen !

  3. Bin etwas abgeschlagen, daher nur ein kurzer Kommentar – schöner Text zu einem schönen Bild!
    Danke!

  4. Jetzt bin ich auch neugierig und möchte Ihre Geschichte hören, aber auch Deine, was war denn nicht weit?
    Schöner Text, passt wunderbar zum Bild.

    Liebe Grüße, Jörg

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Lieber Jörg,

      ganz nah (natürlich auf Berliner Verhältnisse übertragen) spielte sich die Geburtsstunde eines neuen Lebens ab. 🙂
      Du kannst dir jetzt vielleicht ein Bild machen.

      Lg,
      Werner

      • Herzlichen Glückwunsch, dem stolzen Opa, der stolzen Oma und natürlich den stolzen und glücklichen Eltern.
        Liebe Grüße, Jörg

        • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

          Dank, Jörg! Du bist sehr lieb!

  5. Schönes Foto und schön das Du Deine Gedanken mit uns teilst. Macht man sich manchmal eigentlich zu viele Gedanken oder sind wir einfach so gestrickt das nicht unterdrücken zu können. Oft kommt mir die Frage, „was denke ich da eigentlich“, tzz. Anscheinend funktioniert der Kopf aber so, und das ist auch gut so.

    Liebe Grüße, Gerd

  6. Moin Werner,
    da ich nun schon eine Zeitlang deinen Blog verfolge, kann ich mir ganz gut vorstellen was dich in die Ungeduld getrieben hat 😉
    Ich hoffe alles ist gut gegangen und ein wenig Zeit blieb trotz des Wartens ja noch für die Kreativität übrig. Schön, daß du solche Momente teilen magst. In Bildern und in Worten.
    LG kiki

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Moin Kiki,

      du bist eine exzellente Beobachterin 🙂 – Ja, alles gut gegangen (puuh) und alles wohlauf!
      Danke für deine lieben Worte
      Lg,
      Werner

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