Zum Inhalt springen

99 Momente des Glücks – Part 11

99 Momente des Glücks – Nummer 53

Ein kalter Abend im Januar: Draußen pfeift der Wind. Bis vor wenigen Minuten hat es geschneit und tatsächlich bildet der Schnee seit langem mal wieder einen weißen Teppich. Ich habe die letzten Zeilen aus “Homeland Elegien” von Ayad Akhtar gelesen. Der Roman lässt mich berührt und nachdenklich zurück. Ich bleibe auf dem Sofa liegen. Nur so. Ich könnte Musik hören, den Fernseher anmachen, ein neues Buch zur Hand nehmen oder auf das Smartphone schauen. Der Reiz ist groß. Doch ich gebe nicht nach. Stattdessen gebe ich mich diesem Moment hin.

Es ist still und die Stille sucht sich ihren Raum. Sie wird fast körperlich spürbar. Die Stille durchdringt auch mich. Ein schönes, warmes Gefühl. Stille, die zur inneren Ruhe wird.

Diese Stille ist selten geworden. Irgendwas läuft ja immer im Hintergrund. Das Radio, ein Podcast, der Fernseher. Fast scheint es so als unternähmen wir alles, nur um ihren Eintritt zu vermeiden: Bloß keine Stille!

Die Stille genießt kein hohes gesellschaftliches Ansehen. Sie ist eng befreundet mit der Langeweile. Und Langeweile befindet sich auf der Beliebtheitsskala der Interessierten an Belanglosigkeiten irgendwo ganz unten (gleich vor einem mehrstündigen Ausfalls des Internets). Und soweit unten schauen wir nicht so gerne hin.

99 Momente des Glücks – Nummer 54

Tritt sie aber ein (und mit ihr das sanftmütige Nichtstun…. so gar nichts tun) , so tun wir direkt alles, damit beide -Stille und Langeweile – nur schnell wieder ihre Sachen packen und verschwinden: Verlorene Zeit! Wir haben verlernt, sie als natürlichen Bestandteil unseres Lebens wahrzunehmen: Wir sind ja immer mit Terminen versehen. Etwas drängt immer und wenn es die Netflix-Serie ist. Es muss eben immer “was los sein”. Schade: In der Stille wachsen Gedanken. Und nicht selten gedeiht in der Stille etwas Neues.

99 Momente des Glück – Nummer 55

Für Fotografen (aber eben nicht nur für sie) kann der eigene Gedanke aus der Langeweile und der Stille zu neuen kreativen Impulsen führen und eben dahin wohin uns Instagram und (seit neuestem) Clubhouse nie bringen werden.

99 Momente des Glücks – Nummer 56

99 Momente des Glücks – Nummer 57
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

10 Kommentare

  1. Lieber Werner,
    wieder wunderbar geschrieben und bebildert. Vielen Dank dafür.
    Gerade komme ich aus einer Meditation zum Thema Distractions zurück, in der u.a. auch etwas beleuchtet wurde, dass unsere Sucht nach neuen Informationen und Ablenkungen auch eine evolutionsgeschichtliche Bedeutung hat. Da ist es verständlich, dass die Suche nach Stille/Langeweile auch für viele eine Herausforderung sein kann.
    Ich werde mir Deinen Text gelegentlich mal ausleihen.
    Gruß Peter

    • AlleAugenblicke

      Lieber Peter,

      du darfst dir gerne den Text ausleihen. Ist es eine Sucht: Das immer Weiter? Getrieben nach neuen Informationen und Ablenkungen? – Dann sollten wir auch hier mal Entzug üben….
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!
      Werner

  2. Schöne Worte! Vielfach halten wir die Stille nicht aus, oft tut es geradezu weh, keine Geräuschkulisse zu haben. Aber Stille tut gut!
    Viel grüße Volker

    • AlleAugenblicke

      Stille und Langeweile können so erholsam sein im andauernden Grundrauschen.
      Liebe Grüße,
      Werner

  3. Stefanie

    ” Die Stille ist’s die überlebt. Einem Baum der schweigt ist mehr zu trauen, als allen Redensarten.” Hanns-Dieter Hüsch

    Wunderschöne Fotos.

    Stefanie 🙂

    • AlleAugenblicke

      Ach der Hanns-Dieter… Er trifft es!
      Werner

  4. ich finde stille sehr schön, sehr gut und sehr wichtig.. und auf den bildern hast du sie gut eingefangen!

    • AlleAugenblicke

      In der Stille mal durchatmen. Dann weitermachen!
      Liebe Grüße,
      Werner

  5. Danke, Werner,
    für die leisen Töne und höchst passenden Fotos!
    Der Blick deines Hundes, herrlich…

    Einen inneren Raum der Stille, den gibt´s in jedem von uns.
    Da kann es noch so stürmen rundherum, ein beständigeres Refugium gibt es nicht.
    Die Stille dort ist so viel mehr, als die bloße Abwesenheit von Geräuschen.

    Freundliche Grüße in den (das?) Kraichgau!

  6. oli

    Vielen Dank für deinen Impuls der Stille.
    Meine Frau bemerkte vor einigen Tagen auch, dass ich nur noch mit Kopfhörern und Podcast zu sehen bin.
    Stille.
    Stille ist eigentlich ein Konzept, das es bewusst in meinem Leben nicht gegeben hat.
    Früher war es Musik die meine Zeit gefüllt hat.
    Später die Kinderstimmen.
    Dann kamen irgendwann die Podcasts.
    Inzwischen pfeifft es durchgehend.
    Stille.

    Ich glaube, ich versuche mal dieses Konzept. Muss was dran sein.

    lg, oli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

%d Bloggern gefällt das: