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Der Prophet spricht und niemand hört zu

Vom Müssen, Wollen und Können 

Karlsruhe, Hannover, Bremen, Münster, Berlin…

so liest sich meine persönliche Roadmap der letzten Wochen.  Nicht alle Reisen folgten  Notwendigkeiten, manche folgten eigenen Wollen und Wünschen.  

Reisen mit der Bahn: ein ständiges Studium von Land und Leuten. …und  Mißständen. Die Bahn eine Organisatorin des Mangels. Wer nie auf einem Bahnsteig stand, auf dem ein Zug angekündigt wird, der nie kommt, der ist auch ein wenig fremd in dieser Welt. Es erinnert vieles an den Schlagerklassiker „es fährt ein Zug nach nirgendwo…. Vielleicht mit der kleinen Änderung: „es kommt kein Zug aus Irgendwo“…..  Reisen mit der Bahn in Zeiten von Weihnachtsmärkten, Lebkuchen und Tannenzweigen: Ein völlig neues Gefühl der Vorfreude auf Weihnachten, der Sehnsucht nach einer heißen Dusche und  der Stille eines gemütlichen Abends mit Buch.        

Und während es draußen und überall lärmt und die Kassenglocken so süß klingen, wie immer am Jahresende, singt  uns der Prophet sein Lied, doch kaum einer hört zu. Es ist zu laut. Wir zünden Kerzen an, weil wir besinnlich sein wollen und kommen doch nicht zur Besinnung. Wir predigen Liebe und posten Hasskommentare im Netz. Keine Chance, Prophet. Wir sind geschäftig, binden uns noch einmal die Krawatte und machen bis zuletzt Business. Was stören uns Propheten? Wir machen weiter as usual.   

Lichterfest
Weihnachten im Büro

Hier und da leuchten kleine Lichter auf: Die Weihnachtskonzerte der ERDMÖBEL beispielsweise. Kein Jahr ohne ein Besuch eines Konzertes dieser wunderbar eigenwilligen und aus dem Rahmen fallender Musiker. Momente für den Propheten und das eigene Gemüt. Die Jungs bringen Worte zum Klingen: 

Von der Wirtschaft seine Frage
Kannst du mir sagen, warum diese?
Na, weil Proviant erlaubt ist
Und Drehkaffee

Russischbrot und Küsse
Wie auf den Garagen Kies
Den Mond voller Geheimnisse
Russischbrot und Küsse
Hinterher vergaßen sie’s

aus „Russischbrot und Küsse“ (Erdmöbel)

 Ich wünsche uns allen mehr von diesen Monden voller Geheimnisse, wenn wir auf den Bahnsteigen dieser Welt mal wieder auf einen Zug warten, der zwar angekündigt, aber doch nie kommen wird.  

Dom in Münster
Das Focaultsche Pendel in Münster
Nein, keine Werbung: ich mag es einfach

6 Kommentare

  1. ach werner, das sind wieder einmal wunderbare bilder und berührende worte. es ist eine zeit, die sehr ambivalent ist. ich liebe sie, aber man sieht vieles hässliches umso klarer…

    • AlleAugenblicke

      Danke, Paleica. Ja, der Dezember und der Advent: Eine ganz besondere Zeit!
      Lg,
      Werner

  2. Lieber Werner, ich komme zur Zeit viel zu wenig dazu, bei Dir (und anderswo) zu lesen. Trotz Weihnachten und Neujahr ist viel Hektik und wenig Pause. Dazwischen noch schnell einen neuen Blog zimmern. Rastlos, leider. Heute sitze ich zu Hause am Esstisch. Meine Familie ist aus dem kurzen Weihnachtsurlaub zurück (ich war im Büro) und es ist weider Leben in der Wohnung. Schön ist das. Und ich hab mal Zeit, diesen Beitrag zu lesen. Und azusehen. Ich mag sehr die unscharfen Bilder. Ich kann nicht sagen warum, sie lassen den Gedanken Raum und geben doch genug Anhaltspunkte, um Deinen Gedanken zu folgen. Das ist auch schön. Was ist heute? Der 29-igste? Heute ist Weihnachten!

  3. Lieber Werner,
    zunächst einmal wünsche ich dir alles Gute für das neue Jahr und dass du nicht so oft auf die Unzuverlässigkeit der Bahn angewiesen bist 😉
    Wieder mal ein sehr schöner, nachdenklicher Beitrag mit wundervollen Fotos – ich liebe diese Unschärfe in den Bildern (die beiden ersten und das letzte in S/W).
    Jetzt ist die ganze Weihnachtszeit schon vorbei und ab Montag hat mich der Alltag auch wieder…
    LG, Netty

    • AlleAugenblicke

      Ich wünsche dir auch ein gutes neues Jahr! Möge es schöne Dinge für dich dabei haben…
      Jetzt starten wir erstmal wieder in den Alltag. Ich leider auch
      Lg,
      Werner

  4. Das zweite Bild spricht mich am Meisten an.

    Grüße

    Bernhard

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