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Alle reden…. vom Alter

Alle reden…

… wenn nicht gerade vom Wetter, dem Virus, den tumben Despoten dieser Welt, den Verschwörungstheorien und Bill Gates…. dann doch vom Alter.

Das Alter ist – uns selbst nicht immer ganz bewußt – doch allgegenwärtig und spielt in allen Klassikern des täglichen Lebens eine Hauptrolle und sorgt auch stets für neuen Gesprächsstoff: Mode, Styling, Lifestyle.

In allen Lebensbereichen wird uns vor allem eines suggeriert: Sei jung! Und bist du es nicht: dann fühl dich wenigstens so! Gespräche über das Alter sind so vor allem ein Gespräch darüber, wie man am besten jung bleibt. Besonders deutlich wird dies im Stream der Social Media Kanäle: Hier ist man jung, hier zeigt man Haut, hier wird sich in Posen geübt und (Achtung, Wiederholung!) nichts gesagt. Aber eben hier prägt sich in der täglichen BIlderflut das gemeine Bild von Ästhetik und Schönheit.

Das Alter, das man haben möchte, verdirbt das Alter, das man hat

Paul Heyse

Unser ganzes Leben hasten wir einem Alter hinterher, das wir im Augenblick nicht haben. Entweder sind wir zu jung oder zu alt (na gut, manchmal auch zu dünn oder zu dick). Und so sind alle Generationen oft auf der Suche nach dem momentanen richtigen Alter.

Wie wohltuend ist es dann, auf Menschen zu treffen, die diesem Bild nicht entsprechen, aber was zu sagen haben.

So wie Ella: stolze 92 Jahre alt. “Nahezu ein Jahrhundert”, denke ich ehrfürchtig. Wie viel erlebtes Leben steckt in diesem Menschen? Wie viel Zeitgeschichte? Wie viel Leid und wie viel Freude? Da gibt es viel zu erzählen. Und wie wunderbar zu sehen und zu erleben, wenn man mit ihr spricht: Energie, Mut und Aufgeschlossenheit und Neugier sind keine Frage des Alters. Es ist wohl eher eine Frage der Einstellung. Und Schönheit ist nichts, was vergeht, sondern bleibt. Sie verändert sich mit dem Menschen und ist vor allem Zeichen einer inneren Haltung.

Wie wunderbar das Leben sein kann. Danke Ella für diesen wunderbaren Gedanken.

“May your heart always be joyful, may your songs always be sung”

Bob Dylan (forever young)
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13 Kommentare

  1. Lieber Werner,

    wunderschöne Bilder eines vermutlich wunderschönen Menschen. Eine Frage der Einstellung? Ich vermute eher, die Summe dessen, was ein Mensch in seinem Leben wie erlebt hat. Natürlich gibt es auch immer die Kategorie von dem halb vollen oder halb leeren Glas……. Aber jede erlebt ihr Leben auf ihre Weise.

    Weil du es angrsprochen hast: Du und ich gehören der Generation an, in der vor allem Frauen zunehmend mit Schönheitsidealen konfrontiert wurden, in deren Vergleich sie nur verlieren konnten. Vor ein paar Jahren sagte ich meiner Tochter, sie möge ihren Körper jetzt so genießen, wie er ist. Ich konnte das nie, auch nicht, als ich noch jung und relativ attraktiv war. Heute weiß ich, damals war ich schön, nicht perfekt, aber schön, so wie ich war. Aber die Medien haben mir damals suggeriert, ich bin ein Mängelexemplar. In Summe habe ich mein Frau-Sein nie genießen können.

    Andererseits ist da die Lebensweisheit, die frau/mann tatsächlich mit zunehmenden Alter gewinnt. Ein Schatz, man kann aus dem vollen Schöpfen oder?

    Das Video hat mich zu Tränen gerührt. Wie schnell werden wir so alt sein und zu singen, bleibt für immer jung, hat leider gar keine Auswirkung. Junge Menschen können sich nicht vorstellen, wie es ist, am Ende des Lebens angekommen zu sein.

    Liebe Grüße

    Conny

    • AlleAugenblicke

      Danke liebe Conny, für diesen wunderbaren Kommentar. Ich bedauere es (auch als Mann) sehr, dass wir von diesen mitunter merkwürdigen Idealvorstellungen geprägt sind. Schönheit hat so viele wunderbare Facetten: Wenn man nur will, findet man sie.
      Diese Vorstellungen sind es dann auch, die mich immer mehr dazu bringen, mich von Social Media abzuwenden.
      Liebe Grüße,
      Werner

  2. Bludgeon

    Hm. Schönes Heyse-Zitat. Interessanter Text, auch wenn’s mir nicht so geht.

    Als ich 12 war, wollte ich 14 sein, um im Kino nicht mehr schwindeln zu müssen, dass der Ausweis angeblich zuhause liegt, wenn der Film ab 14 war.
    Als ich 14 war, wollte ich 16 sein, wegen Kino siehe oben.
    Als ich 16 war, wollte ich 18 sein … Kino … siehe oben
    Ab 18 aber war ich so alt, wie ich eben gerade war.

    Mit ca 48 war ich neidisch auf Kollegen kurz vor Vorruhestand, weil sich’s bei mir nicht lohnte, die Jahre oder gar Tage zu zählen, aber ich war 48, wollte weder jünger noch älter und gebrechlicher sein.

    Und dann das mit der „Schönheit des Alters“ – naja. Selbstbetrug. Massenhaft. Häßlicher werden wir schon!

    • AlleAugenblicke

      Wahrscheinlich empfindet es jeder anders. Mein Text fasst (subjektiv) so ein wenig zusammen, was sich in den Social Media Kanälen so abspielt.
      Tatsächlich aber denke ich, dass Schönheit nichts mit dem Alter zu tun hat. Menschen werden nicht häßlicher, sie werden älter. Die Kunst besteht darin, dies in Würde und unter Wahrung einer einer gewissen Ästhetik zu werden.

      • Bludgeon

        Nunja. Zustimmung soweit. Ich meinte ja nicht, dass wir alle wahre Ekelbatzen würden, sondern eher – dass ich niemanden kenne, der behaupten würde “mit 50 sah ich besser aus als mit 25”.

  3. was für ein wunderschöner post ❤ ich finde das auch sehr traurig, dass in unserer gesellschaft so wenig platz für das alter ist. es ist einerseits respektlos den menschen gegenüber und übt finde ich andererseits extrem viel druck auf jeden von uns aus…

    • Ja, so empfinde ich es auch. Für uns Frauen fing es sehr früh an, viel früher als mit den „Jane Fondas“, die irgendwie plötzlich auch im höheren Alter geglättet und gestählt aussahen. Heute sind auch die Männer davon betroffen und viele legen Maßstäbe an sich, die sie kaum erfüllen können. Da wird trainiert, operiert, optimiert bis Mann/Frau sich ausreichend attraktiv fühlt. Und dann? Das totale Glück? Wie scheisse muss es sich anfühlen, nach X-Millionen Trainingstunden, OPs und Instagram-Posts festzustellen, dass man trotzdem einfach leer ist?

    • AlleAugenblicke

      … und wird am Ende auch den Menschen nicht gerecht. So sehe ich es auch.
      Liebe Grüße

  4. Ältere Menschen haben gerade aktuell neben allen Dingen, die sich auf Äußerlichkeiten reduzieren, ja noch ganz andere Hürden zu meistern. Als „Risikogruppe“ stigmatisiert, isoliert und vereinsamt sterbend, wird ihnen sogar die Würde entzogen, selbst zu entscheiden, wie sie überhaupt mit dem Risiko umgehen möchten, dass nur sie selbst betrifft. Und wieder einmal arbeiten sich die Schreihälse ab auf den Demos, auf denen es angeblich um Grundrechte, Freiheit und Menschlichkeit geht, während in Alten- und Pflegeeinrichtungen der Schatz unserer Gesellschaft vor sich hinvegetieren darf.

    Das Wort Alter ist leider überwiegend negativ belegt. Wie schön, lieber Werner, dass du mit deinem Bericht und den wundervollen Fotos den Gegenbeweis lieferst!

    Herzlich, Dirk

  5. Das Interessanteste für mich Alten sind die Jungen, die meinen, sie werden nie alt.

    • AlleAugenblicke

      Kluger Gedanke!
      Liebe Grüße,
      Werner

  6. Stefanie Schulte-Rolfes

    Ich liebe mein angeschlagenes Geschirr
    mein angeschlagenes Leben
    die Splitterungen
    die Widersprüche
    den Staub auf dem Klavier

    Mein altes Sofa
    durchgesessen
    gerissen Stoff und Zeit
    spröder Hände Widerstreit
    verweint
    ganz ausgewaschen
    verwittert das Geknitterte

    Tolle Fotos 🙂 Liebe Grüße von Stefanie

    • AlleAugenblicke

      Wunderschön 🙂 DANKE!
      Liebe Grüße,
      Werner

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