Die Unendlichkeit langer Sommertage

Der feuchte Film auf der Haut,
das feuchte Hemd am Körper.
Die Haare kleben, wie wunderbar
spielen meine Hormone verrückt.
Komm gib alles, brenne dich in
das Gedächtnis meiner Kindertage.

Das bunte Spiel der Farben,
das blaue Licht am Abend.
Die Worte fliegen, wie herrlich
ist die Lust am Fabulieren in der Sonne.
Komm gib alles, sei lang und staubig
wie die Zeit in einer Sanduhr.

Die laue Luft am Abend,
der Duft von feuchtem Teer.
Die Gedanken wandern, wie wunderbar
bin ich auf Reisen ohne Last.
Komm gib alles, erzähle uns allen
von der Lust nach kühlem Nass.

Und wenn die Temperaturen wieder sinken, gehe auch ich endlich #Hamsterkäufe machen und schließe mich der allgemeinen #Hysterie an.

 

Muße und Unschärfe

Muße = Der schönste Besitz von allen. (Sokrates)

Squeezerlens -419

Schon im Halbschlaf oder besser im Dreiviertelschlaf stelle ich fest: „Wow! Du kannst noch liegenbleiben! Schlag dem Wecker jetzt ein Schnippchen, dreh dich noch einmal herum: ES IST SONNTAG“. Dann  sinke ich zurück in das Kissen und lasse den frühen Morgen auf mich wirken, tue nichts, sondern lasse zu. Das mit dem frühen Vogel ist ohnehin Quatsch.

Während ich auf diese stille Art langsam wach werde, drängt sich nichts auf, nichts muss erledigt, nichts muss getan werden. Aus jedem „Muss“ wird ein „Will“, aus Rastlosigkeit wird erst Ruhe und dann am Ende Muße.

Uwe Timm und Wilhelm Genazino warten auf mich.Ein ausgiebiges Frühstück ist das Fundament für die Gedanken dieses Sonntags. Das Schwanzwedeln des Vierbeiners signalisiert sein Einverständnis mit meinem Plan.

„Unschärfe“ , denke ich später, „geht gut mit Muße zusammen“ und schraube die Squeezerlens auf meine Kamera.

Unterwegs erwarten mich dann neue Ansichten und neue Perspektiven. Meine Kameralinse erfordert ein anderes Sehen als das gewohnte. Es will geübt sein. Und überhaupt zeigen sich die Dinge nun neu. Es ist der Blick mit zusammengekniffenen Augen, in dem die Farben und die Dinge zusammen fließen. Ich erinnere mich an diesen Blick als Kind.

Muße tut diesem Blick gut. Wer Muße zulässt,muss mit Kreativität rechnen. Ein herrliches Gefühl. Alles fließt. Und Unschärfe ist in Zeiten der vielen Superlativen ein Kleinod an Inspiration.

Zum Nachlesen über Muße: HIER

 

Weglegen – wenigstens hier und da

Der von mir geschätzte Sascha Lobo hat jüngst aufgrund einer Titelstory beim „Spiegel“ in die Diskussion um Smartphone & Co eingegriffen. Sein Artikel mit dem bezeichnenden Titel „Weglegen ist auch keine Lösung“ ist lesenswert. Weil er sich mit weit mehr als nur mit dem Umgang mit dem Smartphone beschäftigt. Er beschreibt darin ganz beiläufig ein Grundproblem unserer Gesellschaft: Wir wollen nichts mehr in der Tiefe durchdringen und geben uns gerne mit all den Oberflächlichkeiten aus Überschriften, dicken Lettern und medialen Schlagzeilen zufrieden, aus denen wir dann das Bild unserer Wirklichkeit zusammenbasteln.

Verstehen setzt aber das Wollen voraus. Und für das  Verstehenwollen ist wohl tatsächlich das Weglegen eine gute Idee. Zumindest zeitweise. Hier und da. Zum Denken, Reden, Zuhören, Lesen , Fühlen, Erleben.

„Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohl überlegt leben. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht lebend war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ (Henry David Thoraux)

Und wenn wir das gemacht haben, darf auch das Smartphone wieder benutzt werden.

Hin und wieder aufs Land. Unter Menschen, unter Tiere. Das Leben pulsieren sehen. Zwei Stunden ohne Smartphone.

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Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will

Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will (Cees Noteboom)

Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will (Cees Noteboom)

Ich sehe mich heute noch oft an meinem Schreibtisch sitzen. Ich muss so 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein. Also schon lange her. Ende der Siebziger. In der Zeit von Schlaghosen und Batikhemden .

Der Schreibtisch stand in meinem kleinen Zimmer unter dem Dach direkt am Fenster. Mein Elternhaus lag außerhalb der Stadt, geschmiegt an einen alten Weinberg, auf dem schon lange kein Wein mehr angebaut wurde: Alte Obstbäume und dichtes Buschwerk vermittelten dem Betrachter einen kleinen Eindruck von Wildnis. In den Resten der Steinterassen fanden sich an heißen Sommertagen Nester von Blindschleichen, Kreuzottern und Erdkröten.

Hob sich mein Blick vom Schreibtisch (was er oft tat), fiel er auf einen bewaldeten Hang. Genau dort konnte ich mich in Tagträumen und komplexen  Gedankenspielen verlieren. Und mein Blick hob sich oft. Der Schreibtisch war mein Ort. Hier wurde ich zum Schriftsteller und Komponist, dort entstanden Gedichte, Geschichten und Liedtexte noch zu komponierender Welthits. Hier träumte ich mich in andere Welten, lag im Clinch mit den Hausaufgaben und meine Eltern. Dort am Schreibtisch suhlte ich mich in diesen Konflikten und sehnte mich nach der einen großen erlösendenLiebe.

Das  Radio befand sich dabei im Dauer „on“. Ungestört von Fernsehen (da lief nachmittags gar nichts, und abends gab es bei maximal drei Programmen Langeweile) und anderen störenden Elementen. Handy und Internet waren Zukunft (Nicht einmal die Worte waren erfunden).

Erinnerung II

Die Erinnerung macht sich breit

Aus dem Radio lernte ich Jackson Browne, Neil Young, und all die anderen kennen, die mich -das wusste ich damals aber noch nicht – mein Leben lang begleiten sollten. Zu „Cowgirl in the sand“ spielte ich meine wenigen Akkorde auf der Gitarre und in stillen Momenten beneidete ich meinen großen, sieben Jahre älteren Bruder, der  machen durfte,was er wollte: Er war für mich das, was ich endlich werden wollte: Erwachsen! In diesen Momente setzte ich mich ans offene Fenster und rauchte eine von den Zigaretten, die ich meinem Vater geklaut hatte. Das katapultierte mich für die Dauer des Glimmstengels in die Welt der Erwachsenen.

In den Tiefen einer der Schubladen meines Schreibtisches sammelte und verbarg ich meine handschriftlichen Schätze , von denen ich damals sicher war, dass ich sie irgendwann – dann wenn ich erwachsen sein würde –  veröffentlichte und damit zu Ruhm und Ehre käme.

Ich wurde älter. Schule, Ausbildung , Liebe – ja, das Leben nahm  mit erstaunlicher Dynamik Fahrt auf und es trug mich fort von diesem wunderbaren Platz am Schreibtisch. Die Menge an bekritzeltem Papier ließ ich hinter mir und war über Jahre auch kein Thema mehr.

Bis irgendwann…. Jahre später…

…irgendwann der Hund kam und sich auf diesen verdammten und geliebten Schreibtisch legte und sich dort breit machte. – Zu spät, wie ich dann leidvoll und unter Tränen erfahren musste. Die Zeit hatte meine schriftstellerischen Versuche entsorgt.

Heute kommt er regelmäßig, dieser Hund und legt sich bräsig genau dahin, wo er es will. Und das ist gut so. Erinnerungen leben weiter. In uns und anderen, mit denen wir sie teilen. Jetzt und später.

     .

 

Hinterher wissen wir immer mehr

Wir leben..

gemeinsam in einer Gesellschaft die weitestgehend durch Erfolge und Karrieren geprägt ist. Alles andere ignorieren wir. Es spielt keine Rolle. Uns geht es gut. Und wir lesen, dass es uns noch nie besser ging. Wir leben (und essen) gesund, sehen gut aus, machen Sport, sind modisch und stets auf der Höhe der Zeit.  Wir verurteilen alles, was uns und unserem Fortkommen im Wege steht:  Ach ja und überhaupt: wer nichts aus sich macht, ist selbst schuld.

Wie angenehm anders und unaufgeregt liest sich da ein Lebenslauf des Scheiterns . Denn wer etwas macht und sich probiert kann daran auch scheitern. Das nennt man Leben.

Wie viele der lifegestylten und erfolgreichen Menschen da draußen sind wohl wie oft in ihrem Leben bereits gescheitert? Schattenseiten ihrer ansonsten so erfolgreichen Existenz. Über sie redet man nicht. Warum nicht? Ließe sich nicht vieles aus den Erfahrungen lernen?

Hinterher wissen wir immer mehr. Das ist ebenso banal wie wahr. Warum also pflegen wir keine Kultur des Scheiterns? Seien wir doch stolz darauf, etwas wenigstens probiert zu haben. Auch dann, wenn es sich wie eine Niederlage anfühlt. Vielleicht kommt man am Ende zu dem Schluss nichts Wesentliches versäumt zu haben. Und das wäre ja schon mal was.

Auch die Fotografie und ein Foto haben die Möglichkeit des Scheiterns verdient. In ihr lebt ja der Versuch. Und der ist es in jedem Fall wert. Beim Foto dieses Beitrags mit Squeezerlens  und doppelter Belichtung aufgenommen: Mir erzählt es eine Geschichte. Für jemand anderes mag es ein Scheitern sein. Die ewige Diskussion in der Kunst.

Deutschlandbilder – 12

Regelmäßig, immer ein Foto, aus dem Leben gegriffen, den Alltag vor Augen, zum Nachdenken

Eine unbekannte Frau in ihr Gebet versunken

Bleiben Sie ruhig hier: Hier ist eine Komfortzone

Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit. Auch in der Komfortzone.

Am Wochenende las ich es wieder: Angebote für Foto-Workshops, die unter anderem mit diesem Satz um Teilnehmer warben:

„Verlassen Sie ihre Komfortzone!“

Von diesem Satz wird ja zwischenzeitlich gerne (inflationär) Gebrauch gemacht. Es entspricht offenbar dem Zeitgeist, seine Komfortzone zu verlassen. Jedenfalls dann, wenn man ein Kreativer ist und die eigene Kreativität Anschub braucht. Dann – so jedenfalls der Marketingsprech – müssen wir raus: raus aus der Gemütlichkeit. Etwas neues, anderes tun. Die Perspektive wechseln, raus aus der Gemütlichkeit.

Aber warum eigentlich? Also ich fühle mich da wohl. Da ist es gemütlich, da darf ich sein. Da bin ich ich. Warum sollte ich da nun raus? – Die Erklärung wird uns aber auch geliefert: Wir wollen uns entwickeln, weiter kommen und daran hindert uns eine Region im Hirn – das limbische System. Das Schlüsselwort dabei ist „Angst“.

(Nein, keine Sorge:Es wird nicht wissenschaftlich. Wer mehr erfahren will, darf gerne seine  Suchmaschine im Netz benutzen).  

Die Komfortzone als Grund für mangelnde Kreativiät und / oder stagnierende Entwicklung (eines Fotografen, …. eines Malers, …. eines Managers…. ) hat Saison. Wir reden so viel darüber, dass im Umkehrschluss der, der seine Komfortzone pflegt, beinahe schon anrüchig wirkt: „… wie, du willst deine Komfortzone nicht verlassen?“, wird da die Lippe schürzend gefragt – Und schon zeichnen sich Falten des Zweifels auf der Stirn des so Fragenden ab.

Und wie immer, wenn etwas so stark auf der Trendwelle schwimmt, neige ich zur Skepsis. Etwas meldet sich in mir und läßt mich zweifeln….. Warum, so frage ich mich, soll ich diesen geschützten Raum, in dem ich mich wohl fühle, in dem ich mit Leidenschaft und Liebe etwas tue, freiwillig verlassen? Oder, um es konkret zu machen: Warum soll ich mich mit einem Genre der Fotografie beschäftigen, wenn mir dieses Genre nicht gefällt? – Oder anders herum: Interessiere ich mich für einen Bereich der Fotografie, den ich nicht beherrsche, dann entwickele ich diesen in meiner Komfortzone…. Denn dort wohnt meine Leidenschaft.

Warum soll es für einen Romanautor hilfreich sein, seine Komfortzone zu verlassen, und dort „draußen“ ein Sachbuch zu schreiben? Weil es die Kreativtät weckt? Hallo Zweifel…. Herzlich willkommen!

In Zeiten der Sinnentleerung durch Reduzierung auf die dicken Lettern von  Schlagzeilen, werden Menschen in der Komfortzone, zu leicht Adjektive wie „faul“, „bequem“ angehängt. Im Business wird man in seiner Komfortzone schnell zu einem Menschen mit mangelndem Ehrgeiz.

Das Verlassen der Komfortzone liegt im Trend. Mit ihm generiert man Umsatz. Auf der anderen Seite darf man sich damit rühmen.

Wie wäre es mal mit einem Trend von Bildung,  Selbstvertrauen und Gelassenheit? Kommt bestimmt, ganz sicher.

Ich freu mich drauf

Gelassenheit ist (m)ein gutes Mittel, um kreative Kräfte in mir zu wecken. Zum Beispiel auf einem langen Spaziergang am frühen Abend mit langen Blicken in den Hinmmel. Dort sind die Fotos in diesem Beitrag entstanden.

Jeder Abschied ein Anfang

Abschiede bewegen uns. Anfänge auch.

Menschen arbeiten miteinander. Jeden Tag einige, mitunter viele Stunden. Fünf Tage in der Woche, manchmal mehr, manchmal weniger. Oft arbeitet man über lange Zeiträume zusammen: Sitzt in einem Büro, vertritt sich, streitet sich, lacht miteinander,redet miteinander (und manchmal auch übereinander), löst Probleme und Konflikte… oder eben auch manchmal nicht.

Im besten Fall versteht man sich gut, wenn nicht findet man hoffentlich eine (gute) Basis des Miteinanders. Im schlimmsten Fall trennt man sich.

Oft nimmt man den anderen gar nicht mehr wahr: Er/sie  ist einfach jeden Tag da: Ein Kollege / eine Kollegin. Wie selbstverständlich. Und doch lernt man sich im Laufe der Zeit kennen. Irgendwie… ob man will oder nicht.

Und dann kommt auch der Tag des Abschieds. Pläne ändern sich und plötzlich ist er da: Der Tag des Abschieds. Oft auch ein Tag des  Neuanfangs für den der geht. Und dann wird uns klar, was wir am anderen hatten. Warum haben wir das nicht früher gemerkt?

Diese beiden Bilder sind zu einem Abschied entstanden.

Weil`s schnell gehen musste (wer bewacht die Telefone?) in nicht einmal zehn Minuten….

 

Heimat ist ein Gefühl 9 – Wälder und Landschaften

 In meiner kleinen…

… Serie zum Thema „Heimat“ versuche ich mich ja schon eine kleine Weile in verschiedenen Beiträgen aus unterschiedlichen Richtungen und wechselnden Perspektiven diesem emotionsgeladenen und vielschichtigem Begriff anzunähern (wer möchte, findet alle Beiträge hierzu mit dem Suchbegriff „Heimat“ auf meiner Seite).

War  anfangs meine Triebfeder,  über meine Kamera, also mit Bildern,  meinem eigenen Heimatbegriff näher zu kommen, ist mir aber darüber hinaus auch schnell klar geworden, dass ich die Interpretation von Heimat nicht  den lauten und dabei oftmals pöbelnden Figuren  in unserer Gesellschaft überlassen will.

Heimat -0061

Heimat ist weder laut noch stolz, Heimat ist weder deutsch noch hat sie eine andere Nationalität. Heimat ist -wie es der Titel dieser Serie schon sagt – vor allem ein Gefühl: Heimat ist so individuell wie wir selbst es sind.

Diese Gedanken begleiteten mich, als ich am vergangenen Wochenende seit langem wieder einmal mit meinem treuen Freund Emil  in den Wäldern des Weserberglandes unterwegs war: Ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Wege, Bäume, Pfützen, die alte Wurzel, über die ich schon hunderte Male gestolpert bin. Es fühlt sich an wie ein Nachhausekommen. Alles ist vertraut… Eben: ein Stück Heimat.

Das Werden im Sein

 

… dieser Widerspruch, dem wir uns alle stellen müssen, etwas perfekt zu machen, unserer Arbeit, unser Wissen und unsere Gefühle, alles strebt dem Ideal nach, während die Wirklichkeit stets unrein ist. Das Vollkommene kann man nur bewundern, das Unvollkommene muss man erst verstehen lernen, und dann kann es Gegenstand unserer Liebe werden.“  (Zitat aus dem Roman „Rot“ von Uwe Timm)

Warum denke ich an Uwe Timm? Warum denke ich an seinen wunderbaren Roman „Rot“,wenn ich diese Bilder betrachte – Ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich habe nur eine Vermutung: Es berührt mich, geht mir nahe, begleitet mich seit Jahren. – So wie die junge Frau auf diesen Fotos.  Es ist diese ewig junge Geschichte vom Sein und dem Werden. Die Portion  Magie und Zauber im Leben. Alles fließt. Und das Wissen darum tut gut.