Vom Sound einer Stadt – Lissabon

Es braucht seine Zeit bis man ankommt: Reisestrapazen und -stress, die Routinen und das Alltagsleben abgelegt hat und in einen anderen Rhythmus kommt. Erst dann, wenn man so nach und nach in das Leben  eintaucht, Bilder, Sprache und Gerüche wirken lässt, erst dann kann man dem Klang der Stadt nachspüren. Spürt den Takt, die Geschwindigkeit und den Groove. Entwickelt ein Gefühl für die Melodie.

In Lissabon ist es der Fado. Ohne Frage. Auch ohne das Wissen dieses Musikstils ist seine Tiefe und seine Sehnsucht in den Straßen beinahe greifbar.

Ohne auch nur einen Ton gehört zu haben, passt man sich schnell diesem Tempo an, wenn man auf eine Tram wartet oder früh morgens einen Espresso zwischen Müllfahrern und Lehrern in einer Pastelaria trinkt.  Es ist ein leiser, oft ein wenig schwer- und wehmütiger Sound, der einen durch die engen Gassen begleitet. Doch er ist allgegenwärtig. Und wenn er einen erstmal gepackt hat, dann lässt er nicht mehr los.

Man wird selbst Teil von ihm. So wie man schnell Teil dieser Stadt wird,wenn man sich im Gassengewirr von Alfama verliert und sich ihrem Charme und der Menschen dort verliert.

Melancholie Lissabon 1-137

Von Bildern auf Reisen – Lissabon

Lissabon-075

Wer auf Reisen geht, macht (meistens) Fotos. Fotografische Erinnerungen an  Orte, die man oft bereits tausendfach zuvor in Büchern, Reiseführern oder im Netz gesehen hat. Doch das hindert uns nicht daran, das Handy oder die Kamera zu zücken, um seinen ganz persönlichen Eindruck („schaut: ich war hier“) dieser Orte festzuhalten. Im Kern geht es dabei stets um das persönliche Erinnern, an das „Darüber-Erzählen“, wenn man längst wieder zu Hause ist und der Alltag längst wieder sein graues Band schwingt. Fotos sind dann ein Mittel gegen das Vergessen und für das Wiederaufleben der Gefühle im Moment der Aufnahme.

Aber all das ist so oder ähnlich schon zigtausendfach geschrieben. Warum tue ich mir diesen Absatz also noch einmal an…? ….weil ich es anders machen möchte.

Ich habe mir im Vorfeld meiner aktuellen Reise nach Lissabon viele Gedanken darüber gemacht, was für Fotos ich eigentlich machen will. Dass ich fotografieren würde, stand außer Frage. Aber was und wie? Fotodokumentationen langweilen mich (jedenfalls zurzeit), die „üblichen Erinnerungsfotos“ sowieso. Die aufgepeppten HDR-Aufnahmen herausragender Baudenkmäler, Landschaften, oder stimmungsvoller Sonnenuntergänge sind schon gar nicht mein Ding (und passen nicht zu mir). –  Nein, ich wollte andere Sachen machen.

Meine Idee war schlussendlich, mir ein Thema zu suchen, und dies dann in einem von mir selbst vorgegebenen Rahmen umzusetzen. Das auch vor dem Hintergrund, durch Reduzierung auf ein Thema und eine bestimmte Ausrüstung, der eigenen Kreativität etwas Schubkraft zu verleihen und einer millionenfach fotografierten Stadt, die eine oder andere neue (?) An- und Einsicht abzugewinnen. Und dabei geht es nur um meine ganz persönliche Sicht.

Mein Thema in den vergangenen sieben Tagen lautete  „Melancholie und Einsamkeit“ – Mein Fokus lag auf Menschen. Und das nicht mit einer Telebrennweite. Nein, mein Ding sind die 50mm – Und dieses Mal: alles in Farbe.

Die kommenden Beiträgen, die ich wie ich Lust und Zeit habe, veröffentliche, geht es also um Melancholie und Einsamkeit in Lissabon, fotografiert mit einem 50mm Objektiv und ausschließlich in Farbe bearbeitet.

Woher und wohin

Woher und wohin? – Diese Frage bewegt uns, sie begleitet uns ein ganzes Leben und sie treibt uns an. Zugegeben: Sie ist nicht immer ganz bequem, sie kann quälen und ist vor allem eines: menschlich.

 

In meiner kleinen Serie zeigen sich Mutter und Tochter beim Nachspüren dieser Frage: Woher und wohin? Ich bin ein Teil von dir, du bist ein Teil von mir. Wir sind uns ähnlich und auch doch wieder nicht. Jeder ein kleiner Teil des anderen. Und doch so einzigartig.

 

Komm doch einfach raus mit mir

 

Komm doch einfach raus mit mir
Schau mit mir in den Himmel wo
Wolken ihr Durcheinander treiben
Lass uns Ringelreihe tanzen
Lass uns laute Kinder bleiben

Komm doch einfach raus mit mir
Mach deinen Koffer zu und bleibe
bei mir im Hier, jetzt und sofort
Lass uns laute Lieder singen
Gehen wir miteinander fort

Komm doch einfach raus mit mir
Sei du wie du warst vor langen
Zeiten auf dünnen Kinderbeinen
Lass uns Burgen bauen aus Sand
Lass uns dumme Verse reimen

Komm doch einfach raus mit mir

Deutschlandbilder – 11

Regelmäßig, immer ein Foto, aus dem Leben gegriffen, den Alltag vor Augen, zum Nachdenken

Der „Kampf“ um das „richtige“ Essen – Berlin.

 

Mensch sein

 Der Kreisel im Kopf…

… hat wieder Schwung bekommen. Antje Kroeger sei Dank. Ein Tag Workshop in Leipzig: „Das starke Portrait“. – Ich folge Antje und ihren Arbeiten schon länger. Neben ihren wirklich sehr ausdrucksstarken fotografischen Arbeiten waren es auch immer ihre Texte und Abhandlungen auf ihrer Seite. Und auch ihre Geschichte (soweit man sie im  Netz verfolgen kann). Und daher war mir klar, dieser Tag würde auf die eine oder andere Art und Weise etwas Besonderes werden… und….na klar: Er war es auch.

Antje stellt ihrer Arbeit den Satz voran:

Sei mutig, sei anders, sei unbequem,
sei das, was deine Integrität und
kreative Vision verlangt – ganz egal,
was die Auf-Nummer-Sicher-Geher, die Gewohnheitstiere,
die Alltagsmenschen sagen.“
(Cecil Beaton)

und diesen Satz lebt sie durch und durch. Daran lässt sie keine Zweifel und das macht sie (für mich) so außergewöhnlich.

Sehen, verstehen, fragen ZUHÖREN. Dabei an Grenzen stoßen und darüber hinausgehen. Kein „Geschwurbel“ (wie sie es ausdrückt), sondern direkt und ehrlich. Sei eindeutig in der Kommunikation und kritisch mit dir selbst.

Ein intensiver Tag, mit intensiven Gesprächen, intensiver Arbeit,  mit den beiden Models und mit uns selbst.

Ich ahne, er wird lange nachwirken. Prädikat wertvoll.

Schaut für weitere Ergebnisse des Workshops hier: Katta Zensen.

Und lasst Euch bei einem Besuch auf Antje Kögers Website inspirieren. Dort findet Ihr auch das Workshop-Programm

Ich

Ich 1

 

Ich 2

Ich 2

 

Ich 3

 

Ich sehe Bea

Ich sehe Bea

 

Ich sehe Bea 2

Ich sehe Bea 2

 

Mein Revier – Triviales und Gesetztes

In diesem Blog geht es im Wesentlichen um Fotos: Was Fotos sind, was sie mit uns machen, warum sie im Leben essentiell sind und auch wie Fotografie mit anderen Künsten korrespondiert. Es geht um Inhalte und Emotionen, (meine) Geschichten und (meine) Erinnerungen.

Ich begreife das Schreiben darüber als eine Art Tagebuch gegen das fotografische Vergessen und als Plädoyer für das Erinnern. Ich mache hier in meinem Revier also das, was ich kann: Geschichten erzählen, in Wort und Bild.

So beantwortet sich die Frage nach fehlenden Beiträgen zur Technik (z.B. meine Ausrüstung) von selbst – Ich werde hin und wieder darum gebeten. Aber: Sorry, ist nicht Meins. Das können andere (viel) besser. Und: Das Netz ist voll davon. Wer also seiner Technikleidenschaft frönen will und/ oder Fragen zu Qualität und Nutzen von Ausrüstung hat, wird immer fündig. Nur eben nicht hier. Ohnehin – nun kommt eine Banalität – wird beim derzeit technischen Stand von Kamera und Objektiven, die Technik immer mehr zur Nebensache.

In meinem Revier manifestiert sich auch (m)eine Entwicklung. War die Kamera früher immer und überall mein ständiger Begleiter, so stelle ich heute mit Erstaunen (über mich selbst) fest, dass ich sie öfter bewusst zu Hause lasse: Es ist mir nicht mehr genug, einfach „Fotos“   zu machen. Ehrlich: es langweilt mich teilweise sogar. Die Frage, die ich mir stelle ist dabei: Was passiert danach? Was geschieht mit einem Foto? Worin liegt sein Zweck? Eine Frage, die sich nicht stellt, wenn ich privat Fotos von Freunden und Familie mache. Klar: hier geht es um Erinnerungen. Aber was ist mit den vielen anderen Motiven? Den Aufnahmen aus Street, Makro und den ungezählten Anderen?  Was passiert nach dem Auslösen, nach dem Bearbeiten? Eine Datei auf der Speichereinheit? Was davon bringt es auf Papier? Und wie viele Fotos (Daten) lungern ungebraucht im Dunkel der Speicherwelt? Was machen wir mit ihnen? Außer Speichern?

Doch eine Kamera habe ich stets dabei: Es ist mein Auge. Meine Bilder entstehen bereits lange bevor ich den Auslöser drücke. Szene, Ausschnitt, Licht und Stimmung. Alles entsteht im Vorfeld im Kopf. Kollege Zufall bekommt seine Chance, doch bleiben zufällige Aufnahmen eher eine Ausnahme. Selten mache ich mehr als zwei oder drei Fotos von der gleichen Szene. Nichts ist mir mehr ein Grauen als massenhaftes Auslösen: Ein Relikt aus Zeiten, in denen Filme und Entwicklung teuer waren. Heute bin ich dafür dankbar. Es zwang zur Auseinandersetzung mit Bildaufbau, führte schließlich zur Beschäftigung mit Malerei und bildender Kunst (z.B. der Maler Edgar Degas und seine Bilder mit Balletttänzerinnen). ….Anmerkung: Ach, wenn ich doch malen könnte...

Meine Beschäftigung mit den Malern und Bildhauern führte auch dazu, mir weit vor dem Griff zur Kamera Gedanken über Fotos zu machen: Wo und was sind Themen? Worum geht es mir? Ihr kennt es: Es ist das immerwährende Ringen um die eigene Kreativität.

Von diesem Denkansatz hin zur Konzepterstellung (z.B. für eine Serie oder Reportage) ist es dann jedenfalls für mich nur noch ein kleiner Schritt.

Genau an dieser Stelle stehe ich (mal wieder). Beileibe keine wirklich neue Einsicht…. Und siehe da: Da ist er wieder dieser kreative Kick.  Wohin führt mich ein Konzept? Welche Serien warten? Welcher Perspektivenwechsel erwartet mich?

Schauen wir mal – Ich lasse mich mal überraschen. Von mir selbst.

PS: Die beiden Fotos sind einer (noch wachsenden Serie „Urbanes Licht -abstrakt“) entliehen.

 

Deutschlandbilder – 10

Regelmäßig, immer ein Foto, aus dem Leben gegriffen, den Alltag vor Augen, zum Nachdenken

„kopflose Kirche“ – Während eines Konformationsgottesdienstes in einer kleinen Kirche im Weserbergland – Der Sitzplatz ließ den Pastor kopflos…

Nimm das nicht Erwartbare

Es gibt unter Menschen die Lebenden und die Erloschenen. Die Letzteren tun das Erwartbare, sagen das Erwartbare, überfordern keinen und fühlen sich wohl in Stereotypen. Die Lebenden dagegen sind unvorhersehbar, abrupt, anstrengend.

(Roger Willemsen; Quelle: )

Dieses wunderbare Zitat von Roger Willemsen ist einer Kritik zum „Dschungelcamp“ entliehen. – Dieser Mann erstaunt mich auch noch nach seinem Tod. Ein unvorhersehbarer Mensch.

Ich frage mich, was mich veranlasst, genau dieses Foto in den Kontext mit genau diesem Zitat zu setzen. Vielleicht war es das Unvorhersehbare im Moment des Entstehen dieser Aufnahme, vielleicht die atmosphärische Dichte in diesem kleinen Restaurant in Friedrichshain in jenem Moment. Wer weiß?

Es war ein Augenblick, in dem sich Gespräch, Erlebtes in der Stadt, das Interieur des Restaurants und ein gutes Essen für den Bruchteil einer kleinen Ewigkeit trafen und dem Ort etwas Außergewöhnliches verliehen.

Kennt Ihr auch solche Momente?

Einsichten in einer Schnellreinigung

 Grundreinigung 

Letzte Woche habe ich meine Bettwäsche in die Reinigung gebracht. Es war mal wieder an der Zeit. Außerdem stand auch letzte Woche schon der Frühling vor der Tür (nein, ich weiß auch nicht, warum er so lange da draußen gewartet hat).  Und ich dachte mir: Okay, Frühling…. da kann man mal die Bettwäsche in die Reinigung bringen.

So betrat ich dann die winzige Wäscherei (bei zwei Kunden gleichzeitig müsste der Laden wahrscheinlich wegen Überfüllung geschlossen werden) und eine nette, sehr zuvorkommende junge Frau mit offensichtlichem Migrantenhintergrund schaute mich aus ihren großen dunklen Augen an.

„Das Kilo 5 Euro“, brachte sie zwar gebrochen, aber überaus höflich und zuvorkommend heraus, zeigte dabei auf meinen Wäscheberg (den ich aus meiner Plastiktüte auf die Theke gekippt hatte) und lächelte mich erwartungsvoll an.

Gut, dachte ich etwas verwundert. Wenn hier in Kilogramm abgerechnet wird, dann ist das wohl so. Und nachdem mich die junge Dame nach meinem Namen und meiner Adresse gefragt hatte und dann einen Abholschein erstellte, dachte ich so bei mir, dass meinem Kopf eine Grundreinigung wahrscheinlich auch mal guttun würde. Also, dem Inhalt des Kopfes, um es zu präzisieren. 5 Euro das Kilogramm scheint mir ein akzeptabler Preis zu sein. Zwar kenne ich mich auf dem Wäschereimarkt nicht so aus, aber ein Preis zwischen 7,50 bis 10 € (mehr als 1,5 – 2 kg bringt das Gehirn ja wohl nicht auf die Waage) für eine Gehirnwäsche, scheint mir angemessen.

Und: wer weiß wozu es gut ist?

Vielleicht ist diese Grundreinigung der Weg mit meinen Flausen im Kopf aufzuräumen? – Ohne es genau zu wissen, so ahne ich doch, dass dies der Wunsch einiger Menschen aus meinem Umfeld sein dürfte, die sich mit meiner mangelnden Ernsthaftigkeit immer mal wieder schwertun.

Ach ja und Strukturen sind auch so ein Thema.

„Du bist so fürchterlich unstrukturiert“ –  Ein Satz, der mir – jetzt wo ich darüber nachdenke – in den Ohren klingelt.

Ob da eine Grundreinigung hilft? Gerne würde ich die junge Frau danach fragen. Vielleicht hat sie ja Erfahrungen?  Doch so recht traue ich mich nicht. Wer weiß, ob sie mich überhaupt versteht und, wenn sie es tut, mich nicht für einen Idioten hält.

Und überhaupt: warum denke ich überhaupt über meine Flausen und Strukturen nach? Gibt es da nicht genug andere, die sich über eine Art Gehirnwäsche Gedanken machen sollten? Nach diesem Winter voller Montagsspaziergänger in Dresden und diesem Goebbels-Rezitator in Thüringen? – Um nur zwei Beispiele zu nennen?

Nee, ich glaube,  ich bleibe ich lieber ohne Reinigung, unstrukturiert und mit meinen Flausen im Kopf……

… und dabei höre ich gerne diesen Song… und groove. (mit einem Dank an Stefan)