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Der Hund ist wieder hier

Im November eines Jahres ist der Hund wieder öfters hier, legt sich bräsig, nach kühler Herbstfeuchte riechend, mitten in den Weg und hat jede Menge Bilder im Gepäck.

Und dann schaue ich sie mir an, diese Bilder. Minuten- ja, manchmal stundenlang. Und diese Bilder wecken dann wieder andere Bilder in mir. Ein Spiel mit Dominosteinen.

Ist es nicht das Beste, was ein Bild werden kann? Eine Erinnerung?

Erzählen wir nicht alle viel zu wenig? Muss denn ein Foto immer “DAS FOTO” sein? Oder ist nicht auch unser Alltag, abseits des Glanzes der vielen Instagram-Streams, voller Bilder und Erzählungen, die es zu bewahren lohnt: Für den Moment, wenn der Hund kommt. (Hier gibt`s ein paar Worte über den Autoren dieses Spruches).

Halten wir unseren Alltag für so arm, dass wir uns nur Fotos von “tollen” und “fremden” Orten, “besonderen” Gelegen- und Begebenheiten erlauben (zu zeigen)? Und warum ist das so: Warum fühlt sich der Alltag so “arm” an? … Nicht lohnenswert, den einen oder anderen Moment festzuhalten?

Oder lässt der Glanz der Fotostreams uns schweigen? Haben wir Sorge, “banal” zu sein?

Das Leben ist es. Banal.

Doch ich liebe es, wenn mein Hund von Zeit zu Zeit kommt und sich in den Weg legt: Dann schauen wir zurück auf die Fülle an Erinnerungen, die auf Fotos festgehalten ist. Und: Es lohnt sich immer!

Vielen Dank für den Anstoß von Falk Gustav Frassa (https://www.instagram.com/falkfrassacom/) für diesen Gedanken.

13 Kommentare

  1. Mehr Alltagsfotografie und Liebe für Banales! 🙂 Ein sehr schöner Beitrag! Liebe Grüße Nicole

    • AlleAugenblicke

      So ist es 🙂
      Danke!
      Liebe Grüße,
      Werner

  2. oh ja, das ist schön. ich mag sie so sehr, diese kleinen alltäglichkeiten. über sie bin ich erst in die fotografie gestolpert, habe mich dann aber auch einsaugen lassen von weiter, schneller, größer, toller. irgendwann finde ich hoffentlich wieder zurück in das festhalten der stillen zwischenmomente, die das leben ausmachen.

  3. Genau das ist es doch, was uns eigentlich gut tut: das “Banale”, das kleine, das Gewöhnliche… einfach mal innehalten und genießen:-)

    • AlleAugenblicke

      … sich der banalen Momente bewusst werden…
      Ja das ist es. Danke, liebe Heidi

  4. Lieber Werner,

    “das Rauschen der Zeit” , ja das ist es doch wohl, was wir alle mit Bildern festzuhalten versuchen. Die Zeit rauscht an uns vorbei, je älter wir werden, desto schneller, so scheint es mir zu sein. Die Fotos zeigen die Geschichte unseres Lebens. Der Hund ist dafür ein lustige Bezeichnung, denn gerade Tiere leben im Moment und nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft, eine Fähigkeit, um die ich sie oft beneide.

    Ich bedauere wirklich sehr, dass meine Foto-Bibliothek erst mit Mitte Zwanzig beginnt, natürlich noch analog und nicht sehr umfangreich. Aus meiner Kindheit gibt es nur wenige Fotos. Damals wurde – zumindest in meiner Familie – noch nicht so viel fotografiert. Schade.

    Ja, heute muss alles irgendwie spektakulär sein, könnte man denken. Aber es ist doch die Frage, was man selbst will. Will ich nur meine Gedanken teilen, meine Fotos zeigen, mich mitteilen? Oder will ich dadurch Kunden gewinnen, Reichweite und Likes?

    Ich mag Blogs oft aus einer persönlichen Verbindung heraus, die ich im Laufe der Jahre aufgebaut habe. Das ist für mich etwas Vertrautes, Beständiges. Da bin ich vielleicht Old School, aber da mag ich das Banale, weil es zu dem gehört, den ich schon so lange “kenne”. Ich mag Banales auch, wenn es interessant fotografiert ist. Wenn jemand auf Instagram jeden Tag seinen wechselnden Kaffeebecher schlecht fotografiert, mag ich das nicht.

    Dein Post ist für mich so vielschichtig. Du hast aber Recht mit deiner Frage, ob uns der Glanz zum Schweigen bringt. Mich hat sie ein wenig aufgerüttelt, weil ich tatsächlich manchmal da rein rutsche, obwohl ich relativ selten auf Instagram & Co bin. Ich muss aber noch mehr bei mir bleiben. Insofern danke für diesen Artikel!

    Liebe Grüße

    Conny

    • AlleAugenblicke

      Danke für deine schönen Gedanken. “Bei sich selbst zu bleiben” ist wohl eines der wichtigsten und richtigsten Dinge, die man tun kann. Auch und eben gerade in der Kunst / Fotografie. Wir schreiben und fotografieren am Ende immer über uns selbst. Oder wie es ein Autor mal ausdrückte: “Ich habe immer das gleiche Buch geschrieben”: Vielleicht sind auch unsere Fotos immer die gleichen? Ausdruck unseres “Selbst” und unseres Lebens.
      Und ja: Das ist gut so.
      Umarme dich
      Werner

      • Welcher Autor hat das so ausgedrückt? Sehr weise. Ja, ich denke, dass es so ist: Fotos sind Ausdruck unseres Selbst, wenn wir uns von unserem Gefühl, unserem Blick leiten lassen und nicht versuchen einem wie auch immer gearteten Ideal nachzustreben. Dann sind sie ganz „Ich“ und dann haben sie das, wonach so viele streben: Eine individuelle Handschrift. Dafür braucht es im Grunde so wenig ;-), aber das mit ganzer Hingabe und dem Mut zur (vermeintlichen) Banalität.

        Umarme dich auch!

        Conny

        • AlleAugenblicke

          Francoise Sagan schrieb: „Ich glaube, man schreibt immer wieder das gleiche Buch.“ . Und sie hat so recht!

  5. Im Banalen liegt der Ursprung, so scheint mir. “Banal” hat nur irgendwie eine Schicht abbekommen, die es nicht verdient, denn es klingt so zugeschmiert. Die vielen, aufgebauschten Medien, die sind banal. Denn dort ist die Wirklichkeit zugekleistert. Die Wahrheit in der Banalität, ist gelebte Realität, ist die beseelte Wirklichkeit, hm!? Das ist doch Bedeutsamkeit pur!
    Ein guter Blog, geschrieben von Jemandem, der etwas wirklich Wichtiges erzählt, den erlebe ich lesend so, wie sich der erste Schritt anfühlt, den ich in die Wohnung eines Freundes gehe. Ich trete ein, und finde auch mich ein bisschen dort.

    Ganz stark, Werner!

  6. Ach, ich finde gerade das Banale besonders interessant, wenn es fotografisch gut festgehalten wird.

  7. stefanie

    Ich schenk dir ein älteres Gedicht was mir spontan zu deinem schönen Text einfiel, und ja, der Hund der alles weiß, ihm widme ich es auch:

    Wir müssen alles lieben
    die Verkehrsschilder
    das Grün der Baumwipfel
    und die Müdigkeiten
    alles
    auch den Ort
    wo wir leben
    müssen wir lieben
    das Sein oder Sosein
    und auch das Anderssein
    müssen wir lieben
    die Schwalbe im Tiefflug
    und den Regen müssen wir lieben
    den Trecker der zu langsam fährt
    die Geduld und die Überholspur
    lieben lieben
    das Ankommen und das Weggehen
    die Tragödien
    den Stillstand
    das Essen
    dein Lachen
    mein Lachen
    die Wälder
    und den Asphalt
    müssen wir lieben

    • AlleAugenblicke

      Ja, das alles und noch viel mehr müssen wir lieben.
      DANKE!

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