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Mein Revier – Triviales und Gesetztes

In diesem Blog geht es im Wesentlichen um Fotos: Was Fotos sind, was sie mit uns machen, warum sie im Leben essentiell sind und auch wie Fotografie mit anderen Künsten korrespondiert. Es geht um Inhalte und Emotionen, (meine) Geschichten und (meine) Erinnerungen.

Ich begreife das Schreiben darüber als eine Art Tagebuch gegen das fotografische Vergessen und als Plädoyer für das Erinnern. Ich mache hier in meinem Revier also das, was ich kann: Geschichten erzählen, in Wort und Bild.

So beantwortet sich die Frage nach fehlenden Beiträgen zur Technik (z.B. meine Ausrüstung) von selbst – Ich werde hin und wieder darum gebeten. Aber: Sorry, ist nicht Meins. Das können andere (viel) besser. Und: Das Netz ist voll davon. Wer also seiner Technikleidenschaft frönen will und/ oder Fragen zu Qualität und Nutzen von Ausrüstung hat, wird immer fündig. Nur eben nicht hier. Ohnehin – nun kommt eine Banalität – wird beim derzeit technischen Stand von Kamera und Objektiven, die Technik immer mehr zur Nebensache.

In meinem Revier manifestiert sich auch (m)eine Entwicklung. War die Kamera früher immer und überall mein ständiger Begleiter, so stelle ich heute mit Erstaunen (über mich selbst) fest, dass ich sie öfter bewusst zu Hause lasse: Es ist mir nicht mehr genug, einfach „Fotos“   zu machen. Ehrlich: es langweilt mich teilweise sogar. Die Frage, die ich mir stelle ist dabei: Was passiert danach? Was geschieht mit einem Foto? Worin liegt sein Zweck? Eine Frage, die sich nicht stellt, wenn ich privat Fotos von Freunden und Familie mache. Klar: hier geht es um Erinnerungen. Aber was ist mit den vielen anderen Motiven? Den Aufnahmen aus Street, Makro und den ungezählten Anderen?  Was passiert nach dem Auslösen, nach dem Bearbeiten? Eine Datei auf der Speichereinheit? Was davon bringt es auf Papier? Und wie viele Fotos (Daten) lungern ungebraucht im Dunkel der Speicherwelt? Was machen wir mit ihnen? Außer Speichern?

Doch eine Kamera habe ich stets dabei: Es ist mein Auge. Meine Bilder entstehen bereits lange bevor ich den Auslöser drücke. Szene, Ausschnitt, Licht und Stimmung. Alles entsteht im Vorfeld im Kopf. Kollege Zufall bekommt seine Chance, doch bleiben zufällige Aufnahmen eher eine Ausnahme. Selten mache ich mehr als zwei oder drei Fotos von der gleichen Szene. Nichts ist mir mehr ein Grauen als massenhaftes Auslösen: Ein Relikt aus Zeiten, in denen Filme und Entwicklung teuer waren. Heute bin ich dafür dankbar. Es zwang zur Auseinandersetzung mit Bildaufbau, führte schließlich zur Beschäftigung mit Malerei und bildender Kunst (z.B. der Maler Edgar Degas und seine Bilder mit Balletttänzerinnen). ….Anmerkung: Ach, wenn ich doch malen könnte...

Meine Beschäftigung mit den Malern und Bildhauern führte auch dazu, mir weit vor dem Griff zur Kamera Gedanken über Fotos zu machen: Wo und was sind Themen? Worum geht es mir? Ihr kennt es: Es ist das immerwährende Ringen um die eigene Kreativität.

Von diesem Denkansatz hin zur Konzepterstellung (z.B. für eine Serie oder Reportage) ist es dann jedenfalls für mich nur noch ein kleiner Schritt.

Genau an dieser Stelle stehe ich (mal wieder). Beileibe keine wirklich neue Einsicht…. Und siehe da: Da ist er wieder dieser kreative Kick.  Wohin führt mich ein Konzept? Welche Serien warten? Welcher Perspektivenwechsel erwartet mich?

Schauen wir mal – Ich lasse mich mal überraschen. Von mir selbst.

PS: Die beiden Fotos sind einer (noch wachsenden Serie „Urbanes Licht -abstrakt“) entliehen.

 

6 Kommentare

  1. Detlef Detlef

    Das fängt schon mal gut an, Werner! Die beiden Bilder deiner neuen Serien erinnern mich in der Tat mehr an Gemälde als an Fotos und sind in diesem Sinne inspirierender als so manches „platte“ Foto! Bin sehr gespannt und freue mich auf mehr!

  2. Was passiert mit den „Dateien“ danach, also zu welchem Zweck bannen wir Bilder auf den Sensor? Gerade Degas bietet eine von vielen möglichen Antworten: Das Streben nach Perfektion. Er malte wieder und wieder die gleichen Motive, um besser zu werden und die Vorgänger nicht zerrissen ;-). Vermutlich hat er seinen Anspruch an das perfekte Werk in seinen Augen nie erreicht. Manche Fotografen tun es Degas gleich, sie sind immer auf der Suche nach dem perfekten Bild, wobei die Kriterien natürlich subjektiv sind (Bildaufbau, technische Umsetung, Ausdruck o. ä.). Und ich bin mir sicher, dass sie – wie ich auch – nicht alle Bilder auf der Festplatte behalten. Es gibt ja zum Glück die Möglichkeit, Fotos zu löschen und davon macht man mit zunehmender Erfahrung reichlich Gebrauch :-).
    Der Vergleich Malerei/Fotografie ist in vielerlei Hinsicht interessant. In beiden Fällen gibt es Handwerker und Künstler oder eine Mischung aus beidem. Es gibt diejenigen, die technische Perfektion anstreben ebenso wie diejenigen, denen der Ausdruck wichtiger ist. Manche arbeiten in Serien, manche erstellen Einzelwerke. Die einen reden gern über Equipment und Technik, die anderen nicht. Was in beiden Fällen wohl gleich ist, ist die Tatsache, dass man zumindest die Grundfertigkeiten und sein Werkzeug beherrschen sollte und wer sich in Mal- oder Zeichenforen umschaut, wird feststellen, dass auch hier über das Werkzeug und die Materialien philosophiert wird, wobei das Tempo der Neuerscheinungen sich in Grenzen hält ;-). Aber auch hier gilt: Wenn du keine Bild-Idee hast, keine Visionen, nützen technisches Know How und die besten Pinsel nichts :-D.

    Aber um zu deinem Thema zurückzukommen: Ich denke, das Gegenteil vom Arbeiten in Serien oder Sequenzen muss nicht zwangsläufig trivial sein. Irgendwie hat doch jeder seine Themen, bringt sein Ich in die Fotos mit ein. Ich würde von mir behaupten, dass ich in den seltensten Fällen einfach wahllos Fotos mache, es sei denn es handelt sich um einen AF-Test ;-). Ich treffe immer eine Auswahl und ohne das von dir beschriebene Bild im Kopf drücke ich nicht auf den Auslöser. Aber dahinter steht nicht zwangsläufig ein durchdachtes Konzept für ein Serie. Manchmal ergibt sich das auch rückwärts, wenn du feststellst, dass du häufig ähnliche Motive fotografierst. Das Warum sei erstmal hinten an gestellt. Nehmen wir deine Serie „Urbanes Licht – abstrakt“. Würde ich in der Innenstadt wohnen, ergäbe sich die Situation, dass ich urbanen Lichtern oft begegnen würde. Da mich der Anblick genauso reizt wie dich, würde ich davon mit Sicherheit immer mal wieder Fotos machen, Durchsichten/Spiegelungen/Abstraktionen mag ich auch. Irgendwann würde mir bei Durchsicht der Fotos auffallen, dass sich einige Bilder prima ergänzen und zu einer Serie zusammenfassen lassen. Das ist dann etwas, was aus einer Menge Bildern entsteht, die nicht von vornherein einen bestimmten Zweck hatten. Das Konzept kommt quasi im Anschluss :-). Steve McCurry macht das auf seinem Blog oft, so mein Eindruck.
    Wichtig scheint für manche Fotografen zu sein, ihren Bildern einen Rahmen, eine Klammer zu geben und dafür eignet sich eine additive Serie sehr gut. Ob das Konzept nun davor oder danach kommt, im Ergebnis kommt es aufs Gleiche hinaus.

    Anders verhält es sich, wenn du ganz gezielt ein (inneres) Thema als Serie umsetzen möchtest, was – so verstehe ich dich – du tun möchtest. Da ist ein Konzept ungemein hilfreich. Ich bin sehr gespannt, was entstehen wird (sicher Interessantes) und freue mich auf die Veröffentlichung!

    Die beiden Fotos gefallen mir sehr gut, besonders das Beitragsbild. Ach, ich sollte öfter mal abends in die City fahren. Hier, fast auf dem Dorf, gibt es das nicht zu sehen :-(.

    LG, Conny

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Hallo Conny,

      ui, eine so lange Antwort. Schön! Danke dafür. – Die Teilung der Menschen in „Künstler“ und „Handwerker“ findet sich nicht nur in den Künsten; sie findet sich überall. Ersetze das Wort „Kunst“ durch „Emotion“ und das Wort „Handwerk“ durch „Technik“: nahezu alles läßt sich in die beiden Gruppen aufteilen.Vom Autotester (der eine sieht es emotional, der andere sieht die technische Leistung) bis hin zum Politiker. … Na gut, es hakt mit den Vergleichen an der einen oder anderen Stelle. 🙂 Ich mache es auch nur, um zu verdeutlichen, dass es im Menschen selbst begründet ist, auf welcher Seite er mehr oder weniger steht. Und das ohne es zu kritisieren. Es ist gut so, wie es ist.

      Interessante Frage, ob Degas (oder ein beliebiger anderer Maler) sich hundertfacher digitaler Fotos bediente, so er diese Technik nutzen könnte. Ich behaupte nein. Maler machen Studien, beschäftigen sich mit einem Sujet, fertigen Skizzen an. Sicherlich alles, um das für sie beste Ergebnis am Ende zu fertigen. – Die paar, deren zeitgenössische Werke ich kenne und deren Vita mich mal irgendwann beschäftigt hat, halten es eher sparsam. – Aber es mag auch andere geben. Und auch das ist gut so.

      Es ist gut, dass man sich über Kunst im weitesten Sinne und Fotografie austauschen kann. Die Kunst ist frei und lebt von der Vielfalt. Wie gut, dass wir alle unterschiedliche Ansätze haben. Das macht das Leben und die Kunst erst schön.

      Dir noch einen wunderbaren und kreativen Sonntag.
      Werner

      • Ja, Werner, wir wissen nicht, wie Degas als diditaler Fotograf mit der „Besessenheit“ für Ballerinen agiert hätte. Die Auseinandersetzung findet oft über Wiederholung statt. Ich folge Fotografen, deren Sujet der Ausdruckstanz ist, mitunter gepaart mit Mehlwürfen. Aber auch da könnte ich nicht sagen, warum sie immer wieder diese Bilder machen. Ist es die Bessenheit oder die heute oft geforderte Spezialisierung? Auch das wissen wir nie, so wir die Menschen hinter den Fotos bzw. der Kamera nicht kennen.

        Ich habe dich schon richtig verstanden. Deine Gedanken regen zur Auseinandersetzung an. Und da ich dann auch die von dir verlinkten Seiten aufrufe, sprang mir in dem Artikel die Aussage über Degas‘ Perfektionismus entgegen, der mich auf diese Gedanken brachte. Fotografen skizzieren auch. Manche tatsächlich, manche zunächst mit der Kamera. Ich vermute, dass sich die Herangehensweise mancher Fotografen nicht so sehr von der der Maler unterscheiden. Der große Unterschied ist allerdings, dass ein Maler seine Idee vom Bild im Kopf bewahren muss, da er es nicht in einer 250/Sek malen kann :-). Aber auch Fotografen bewahren ihre Bilder im Kopf, wenn ich darüber nachdenke….

        Ein spannendes Thema!

        LG, Conny

  3. Geschichten erzählen, in Wort und Bild, genau das ist es was ich an Dir schätze. Allerdings muss ich gestehen das mir manchmal die Zeit dazu fehlt Deine Texte ausführlich zu lesen und dann auch noch zu beantworten. Das hat aber nichts mit Dir zu tun und schon gar nicht mit dem was Du tust. Mach einfach weiter so, mir gefällt es, sowohl Deine Text und umso mehr Deine Fotos !

    LG, Gerd

    • AlleAugenblicke AlleAugenblicke

      Danke Gerd. Das ist ein sehr schöner Kommentar.
      Lg,
      Werner

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